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Tagebuch: Fünf Tage, sieben Hallen und kein Plan überlebt den Winter

Am Abend des 25.01.2026 saßen wir noch gemütlich in unserem Vereinsheim zusammen, als uns auf dem Heimweg bereits das erste komische Gefühl überkam: Es begann wieder zu schneien.

Bereits vor zwei Wochen wurde uns die Max-Born-Halle, unsere Haupthalle, gesperrt. In einer normalen Woche beherbergt sie 17 Trainingseinheiten. Durch ein undichtes Dach saugt sich die Dämmung mit geschmolzenem Schnee voll, was die Statik beeinträchtigt und regelmäßig zu Sperrungen für mehrere Tage führt.


Montag:

Um 13:05 Uhr kam dann die schon fast erwartete Nachricht: Das Hochbaureferat sperrte die Halle. Da wir dieses Szenario bereits Anfang Januar erlebt hatten, lag zumindest ein Plan bereit, der hätte in Kraft treten können.
Wäre da nicht das kleine Problem gewesen, dass auch unsere Nebenhalle (Kirchenschule) in dieser Woche wegen einer Veranstaltung für uns geschlossen war.

Also ging es erneut auf die Suche nach neuen Trainingszeiten. Da alle Hallenzeiten in ganz Germering online einsehbar sind, wurden sämtliche Hallen abgeklappert. Den von den normalen Zeiten die wir sonst gebucht hatten waren nur noch zwei Trainingszeiten übriggeblieben.

Plan C wurde geschrieben, veröffentlicht – und kaum war die Nachricht raus, folgten schon die ersten Nachfragen, wo diese Hallen überhaupt sind. Viele davon hatten wir nämlich noch nie belegt.


Dienstag:

Die ersten Erwachsenentrainings liefen gut, lediglich das Grundlagentraining musste abgesagt werden. Besonders schade war das für einige, die dort ihr erstes Training absolvieren wollten und von der kurzfristigen Änderung noch nichts mitbekommen hatten.

Ganz von skurrilen Situationen blieben wir nicht verschont: Trotz Absage in der Gruppe kamen Nachrichten wie
„Wir stehen gerade vor der Halle – ist heute kein Training?“
In diesen Fällen konnten wir leider auch nicht mehr helfen.

Unsere Trainer entwickelten sich langsam zu Abenteurern: Sie reisten von Halle zu Halle, standen plötzlich in der falschen und wunderten sich, dass sie den Hallenschlüssel gar nicht gebraucht hatten. Dann kam der Anruf – und man versuchte erst einmal herauszufinden, wo das Team eigentlich gerade ist.
Aber gut: Christoph Kolumbus hat es uns vorgemacht.


Mittwoch:

Mittlerweile hatten wir so etwas wie einen heißen Draht zur Geschäftsstelle und zu unserem Präsidenten. Jeden Tag wurden mehrere Telefonate geführt, um bei der Stadt Ausweichtermine zu beantragen – denn ohne Passierschein A38 geht auch im Notfall nichts.

Nach und nach trudelten auch die Zugangscodes für die Hallen ein. Man muss nämlich wissen: Durch Germering verläuft – wenn auch nur virtuell – eine Grenze.
Der SV Germering nutzt die Hallen in Germering, während der SC Unterpfaffenhofen Herr über die Hallen in Unterpfaffenhofen ist. In diesem Fall konnten wir uns dort glücklicherweise ebenfalls die ein oder andere Zeit sichern.

Wie gut die Beantragung wirklich lief, zeigte sich dann bei unserer U14-2: 15 motivierte Spieler standen trainingsbereit an der Halle – nur um ernüchtert festzustellen, dass diese bereits belegt war.
Wieder einmal zeigte sich: Kein Zeitplan überlebt die Realität. Also wurde auch hier erneut nachjustiert – Backup vom Backup.


Donnerstag:

Jede Halle hat ihre eigenen Tücken. Die neuen Hallen verfügen beispielsweise nicht mehr über einen Tresor. Neben dem kompletten Wochenzeitplan erstellten wir deshalb zusätzlich einen Schlüsselübergabeplan – inklusive zahlreicher Fahrten von Halle zu Halle.

Das Gute: Am kommenden Wochenende fanden alle Spiele auswärts statt, sodass der Spielbetrieb nicht zusätzlich priorisiert werden musste. Die nötige Infrastruktur hatten wir bereits bei der letzten Sperrung angeschafft.

Ein weiteres Problem: Für unsere U10 und U12 benötigen wir Hallen mit höhenverstellbaren Körben – in Germering leider eine Seltenheit. Also begannen wir vorsorglich mit der Genehmigung einer weiteren Halle, um auch hier für den Notfall gerüstet zu sein.


Freitag:

Leider brachten unsere vielen Verlegungen nicht nur uns und die Geschäftsstelle an den Rand des Wahnsinns, sondern auch Hausmeister und Reinigungspersonal. Immer wieder waren alle überrascht, wenn wir plötzlich auftauchten.
Niemand mag es, wenn der Boden frisch gewischt ist und anschließend eine Horde Kinder darauf trainieren möchte. Der kleine Trost: Zur Abwechslung hatten wir diesmal nicht mit rutschigen Böden zu kämpfen.

Gerade als sich langsam so etwas wie Normalität einstellte, stellte sich heraus, dass die für U16 und U18 geplante Halle am Freitag ab 20:30 Uhr bereits für den Lehrersport belegt war – nur leider nie im Buchungsportal eingetragen.

Also erneut auf die Suche. Dank des „Würfel- und Schwerter-Vereins“, der seine Halle an diesem Freitag nicht benötigte, konnten wir gleich zwei Teams in eine kleine Doppelhalle verlegen.
Da außerdem die Türkisch-Islamische Gemeinde nicht erschien, konnte sogar jedes Team eine Halle nutzen.


Fazit:

Am Ende konnte jedes Team mindestens ein Training absolvieren – auch wenn wir einigen Trainern und Spielern sehr frühe oder sehr späte Zeiten zumuten mussten.

Für uns in der Abteilungsleitung war es definitiv die anstrengendste Woche unserer Amtszeit. Viele Trainer und Spieler bekamen nur die Spitze des Eisbergs mit.

Intern hatten wir in fünf Tagen knapp 100 WhatsApp-Nachrichten, dazu unzählige weitere mit Trainern, Eltern und Spielern. Hinzu kamen zwei Sondersitzungen der Abteilungsleitung (jeweils zwei Stunden) sowie eine vierstündige Uniprüfung – denn Privat- und Arbeitsleben hielten leider nicht an.

Wir blicken gespannt auf die kommende Woche. Zur Sicherheit haben wir uns vorsorglich schon einmal nach ansässigen Psychologen erkundigt – man weiß ja nie, wie lange der Winter noch dauert.
2027 soll das Dach der Max-Born-Halle repariert werden.
Bis dahin bleibt es spannend.

Eure
Abteilungsleitung